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Reichenau (Insel) Artikel Insel Reichenau vom Schweizer Ufer
Insel Reichenau von Hegne aus
St. Georg in Oberzell 1901
Die Reichenau ist eine Insel in dem Bodensee sowie ein auf ihr befindliches Kloster. Die Insel liegt in dem Untersee zwischen Konstanz und dem Rheinfall bei Schaffhausen und ist über einen 1838 aufgeschütteten Damm mit dem Festland verbunden. Reichenau heißt heute die Gemeinde in dem Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg, die außer der Insel noch einige Flächen auf dem Festland umfasst.
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Die Geschichte der Reichenau ist die Geschichte des Klosters. Letzteres wurde 724 vom Missionsbischof Pirmin gegründet und genoss seit dieser Zeit die Unterstützung der karolingischen Hausmeier und Könige. So fällt eine erste Blütezeit der für Alemannien so wichtigen Mönchsgemeinschaftins ausgehende 8. und 9. Jahrhundert. Abt Waldo (786-806) war der Gründer der Reichenauer Gelehrtenschule, Abt Hatto I. (806-823) der Erbauer des ersten Münsters in Mittelzell. Das Reichenauer Verbrüderungsbuch und der auf der Bodenseeinsel erarbeitete St. Galler Klosterplan entstammen dem 9. Jahrhundert, an dessen Ende der politisch sehr wirksame Abt und Mainzer Erzbischof Hatto III. (888-913) die Georgskirche in Oberzell errichten ließ.
In die Zeit der ottonischen Könige, um die Jahrtausendwende fällt die zweite kulturelle Glanzzeit der Reichenau, repräsentiert durch den "goldenen" Abt Witigowo (985-997) und durch die Reformäbte Immo (1006-1008) und Berno (1008-1048). Die berühmte Reichenauer Schreibschule gehört hierher, ebenso die Wandmalereien in der Oberzeller Georgskirche oder die Geschichtsschreibung eines Hermann von Reichenau (†1054). Eine Art Nachglanz des Inselklosters ist für die Regierungszeit des Abts Diethelm von Krenklingen (1169-1206) zu konstatieren. Danach begann der geistige und materielle Niedergang der Mönchsgemeinschaft in einer sich stark verändernden (sozialen und wirtschaftlichen) Umwelt des ausgehenden hohen Mittelalters. Reformversuche um die Wende zu dem und in dem 14. Jahrhundert scheiterten, in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts war zeitweise der ganze Klosterbesitz verpfändet, in dem Jahre 1402 gab es neben dem Abt ca. noch zwei hochadlige Konventsherren als "Mönche".
Bei Ausgang des Mittelalters fasste das benediktinische Mönchsideal noch einmal Tritt, das Münster in Mittelzell wurde durch den spätgotischen Chor erweitert, der Radolfzeller Chronist Gallus Öhem schrieb eine Klostergeschichte. 1540 verzichtete Abt Markus von Knöringen auf die Klosterleitung, die er an den Konstanzer Bischof abtrat. In der Folgezeit war die Reichenau ca. mehr eine Verwaltungsstelle des Bistums (Obervogteiamt), ein Priorat mit zwölf Mönchen. Selbstständigkeitsbestrebungen der geistlichen Gemeinschaft auf der Bodenseeinsel endeten mit der Auflösung des Klosters in dem Jahr 1757, 1803 erfolgte die Säkularisation. Seit 2001 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Benediktinern auf der Insel.
Das Kloster war eines der wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Zentren des Reichs der Karolinger und Ottonen in dem Frühmittelalter. Unter anderem war die Reichenau auch Wirkungsstätte des Abts Walahfrid Strabo, der dort in dem Jahre 824 die "Visio Wettini" und 827 das frühe botanische Werk "Liber de cultura hortorum" ("Von der Pflege der Gärten") schrieb. Der wohl bedeutendste Abt der Reichenau war von 888 bis 913 Hatto III., Erzbischof von Mainz (891 - 913), Erzkanzler. In dem Gefolge Arnulfs von Kärnten, der sich vom Papst zu dem Kaiser krönen ließ, ging Hatto I. 895 nach Rom und erhielt dort von Papst Formosus die Georgsreliquie. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das der Anlass zu dem Bau von St. Georg. Nach dem Tod Arnulfs, 899, war Hatto I. Vormund des sechsjährigen Thronfolgers Ludwig IV.. 911 krönte er Konrad I. zu dem König Ostfrankens. Speziell durch die Manuskripte aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die in herausragender Weise die ottonische Buchmalerei Deutschlands repräsentieren, hat das Kloster eine weitreichende Bekanntheit erreicht. Die alte Buchmalerei des Bodensee-Klosters Reichenau wurde in dem Jahre 2003ins Weltdokumentenerbe der Weltkulturorganisation UNESCO aufgenommen. Die Bodensee-Insel Reichenau ist von der UNESCO bereits 2001 zu dem Welterbe erklärt worden.
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Die Insel Reichenau gehörte in den Einflussbereich eines Adeligen namens Sintlas, der auf der nahen Burg Sandeck, oberhalb des gegenüberliegenden Berlingen am Schweizer Ufer, wohnte. Darum hieß die Insel früher auch Sintlas-Au oder Sindleozesauua. Als 724 der Heilige Pirmin an den Untersee kam, bat ihn Sintlas, in der Gegend eine Kapelle zu bauen. Pirmin wählte als Platz die Insel Reichenau. Sie war von einem unwirtlichen Urwald bewachsen und voll von Schlangen, Kröten und Insekten. Dort, wo Pirmin zuerst Fuß auf die Insel setzte, bildete sich eine Quelle. Das Ungeziefer aber floh während drei Tagen von der Insel und schwamm über den See. Pirmin und seine Begleiter rodeten nun das Gebiet und machten die Insel für Menschen bewohnbar und gründeten ein Kloster.
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- Pirmin (Abt) (724-727)
- Eddo (727-734)
- Keba (734-736)
- Arnefrid (Bischof v. Konstanz)
- Sidonius (Bischof v. Konstanz)
- Johannes (Bischof v. Konstanz, Abt v. St. Gallen) (760-782)
- Petrus (782-786)
- Waldo (786-806)
- Hatto I. (806-823)
- Erlebald (823-838)
- Ruadhelm (838?-842)
- Walahfrid Strabo (838,842-849)
- Folkwin (849-858)
- Walter (858-864)
- Hatto II. (864-871)
- Ruodho (871-888)
- Hatto III. (Erzbischof v. Mainz, Abt v. Ellwangen, Lorsch, Weißenburg) (888-913)
- Hugo (913)
- Thieting (913-916)
- Heribrecht (916-926)
- Liuthard (926-934)
- Alawich I. (934-958)
- Ekkehard I. (958-972)
- Ruodmann (972-985)
- Witigowo (985-997)
- Alawich II. (997-1000)
- Werinher (1000-1006)
- Immo (1006-1008)
- Berno (1008-1048)
- Ulrich I. (1048-1069)
- Meginwart (1069-1070)
- Ruopert (1071)
- Ekkehard II. v. Nellenburg (1071-1088)
- Ulrich II. v. Dapfen (1088-1123)
- Rudolf v. Böttstein (1123-1131)
- Ludwig v. Pfullendorf (1131-1135)
- Ulrich III. v. Zollern (1135-1136)
- Otto v. Böttstein (1136-1139)
- Frideloh v. Heidegg (1139-1159)
- Ulrich IV. v. Heidegg (1159-1169)
- Diethelm v. Krenkingen (1169-1206)
- Hermann v. Spaichingen (1206)
- Heinrich v. Karpfen (1206-1234)
- Konrad v. Zimmern (1234-1253?)
- Burkhard v. Hewen (1253?-1259)
- Berthold v. Falkenstein (Koadjutor, Abt v. St. Gallen) (1258-1259)
- Albrecht v. Ramstein (1260-1294)
- Markward v. Veringen (1294-1296)
- Heinrich v. Klingenberg (Bischof v. Konstanz) (1296-1306)
- Diethbelm v. Kastel (Abt v. Petershausen) (1306-1343)
- Eberhard v. Brandis (1343-1379)
- Heinrich v. Stöffeln (1379-1383)
- Mangold v. Brandis (1383-1385)
- Werner v. Rosenegg (1385-1402)
- Friedrich v. Zollern (1402-1427)
- Heinrich v. Hornberg (Abt v. St. Peter) (1427)
- Friedrich v. Wartenberg (1427-1453)
- Johann v. Hundweil (1454-1464)
- Johann Pfuser v. Nordstetten (1464-1492)
- Martin v. Weißenburg (1492-1508)
- Markus v. Knöringen (1508-1516)
- Georg Fischer (Abt v. Zwiefalten) (1516-1519)
- Gallus Kalb (1519)
- Markus v. Knöringen (2. Mal) (1523-1540)
- (Prioren der frühen Neuzeit)==Persönlichkeiten==
- Hatto III. war von 888 - 913 Abt des Klosters Reichenau, als Hatto I. Erzbischof von Mainz (891 - 913) und Erzkanzler.== Weblinks ==
- Insel Reichenau (http://www.reichenau.de)
- Benediktinercella Reichenau (http://www.benediktiner-reichenau.de)
- Infos zur Insel (http://www.insel-reichenau.de)
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- BORST, ARNO, Mönche am Bodensee 610-1525 (= Bodensee-Bibliothek, Bd.5), Sigmaringen 1978
- MAURER, HELMUT (Hg.), Die Abtei Reichenau. Neue Beiträge zur Geschichte und Kultur des Inselklosters (= Bodensee-Bibliothek, Bd.20), Sigmaringen 1974
- Reichenau, bearb. v. FRANZ QUARTHAL u.a., in: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg, bearb. v. FRANZ QUARTHAL (= Germania Beneditctina, Bd.5), Ottobeuren 1976, S.503-548
- Reichenauer Texte und Bilder, hg. v. WALTER BERSCHIN
- Nr.2: BERSCHIN, WALTER, KLÜPPEL, THEODOR, Die Legende vom Reichenauer Kana-Krug. Die Lebensbeschreibung des Griechen Symeon, Sigmaringen 1992
- Nr.3: BERSCHIN, WALTER, STAUB, JOHANNES (Hg.), Die Taten des Abtes Witigowo (985-997). Eine zeitgenössische Biographie des Purchart von der Reichenau, Sigmaringen 1992
- Nr.4: BERSCHIN, WALTER, KLÜPPEL, THEODOR, Der Evangelist Markus auf der Reichenau, Sigmaringen 1994
- Nr.5: DRÖS, HARALD, Das Wappenbuch des Gallus Öhem, Sigmaringen 1994
- Nr.6: KONRAD, BERND, WEIMAR, GERTRUD, Heilige am Bodensee. Der spätgotische Flügelaltar in dem Reichenauer Münster (1498), Sigmaringen 1997
- Nr.7: Walahfrid Strabo, Zwei Legenden (Blathmac, der Märtyrer von Iona (HY), Mammes, der christliche Orpheus), hg. v. MECHTHILD PÖRNBACHER, Sigmaringen 1997
- Nr.8: BERSCHIN, WALTER, ZETTLER, ALFONS, Egino von Verona. Der Gründer von Reichenau-Niederzell (799), Sigmaringen 1999
- Nr.9: ANTONI, RICHARD, Leben und Taten des Bischofs Pirmin. Eine karolingische Vita, Stuttgart 2002
- SPIECKER-BECK, MONIKA, KELLER, THEO, Klosterinsel Reichenau. Kultur und Erbe, Stuttgart 2001
- ZETTLER, ALFONS, Die frühen Klosterbauten der Reichenau. Ausgrabungen - Schriftquellen - St. Galler Klosterplan (= Archäologie und Geschichte, Bd.3), Sigmaringen 1988
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